07.07.2010 Märkische Allgemeine Lokalnachrichten


So wie in Oranienburg am Montag gab es auch gestern in Hennigsdorf dafür wieder einige Gegendemonstranten. Rund 100 Menschen waren dem kurzfristigen Aufruf mehrerer Organisationen, darunter der Hennigsdorfer Ratschlag, die Linksjugend, die Jusos sowie Antifa-Gruppen, gefolgt, und hatten sich um 16 Uhr auf dem Postplatz versammelt. Daran änderte auch das Nicht-Erscheinen der Neonazis nichts.

Hennigsdorfs Bürgermeister Andreas Schulz wertete die Gegenveranstaltung als Erfolg. „Es ist wichtig, klarzumachen, wem der öffentliche Raum gehört“, sagte er. Dass die „Urenkel derjenigen, die halb Europa in Schutt und Asche gelegt haben“, nun in der Nähe des Denkmals für die Opfer des Faschismus eine Mahnwache abhalten wollten, sei grotesk. Die NPD sei der denkbar ungeeigneteste Mahner in Sachen Freiheit.

Wichtig sei es aber, über einzelne Protestveranstaltungen hinausgehend rechtsextremen Gedankengut entgegenzutreten. Man müsse im Alltag für Freiheit, Vielfalt und Toleranz eintreten. „Die eigentliche Aufgabe, die auf uns wartet, heißt, gesellschaftliche Teilhabe zu organisieren“, so Schulz.

Der Kreischef der Jusos, Benjamin Grimm, ging weiter. Er sagte: „Rechtsextremismus ist keine Meinung. Rechtsextremismus ist ein Verbrechen.“ Die rassistischen Theorien der Nazis entbehrten jeder Grundlage, so Grimm. Weil man den Rechtsextremen aber mit Argumenten nicht beikommen könne, müsse man auf Repression setzen. Dass der Bundesvorsitzende der Polizeigewerkschaft, Rainer Wen, den Bundestagsvizepräsidenten Wolfgang Thierse wegen einer Sitzblockade gegen einen Aufmarsch von Rechtsextremen am 1. Mai in Berlin als Straftäter verunglimpft habe, sei „nicht produktiv“ gewesen. In die gleiche Richtung ging Enrico Rossius von der Linksjugend. Er forderte, dass diejenigen, die sich den Neonazis in den Weg stellen, nicht mit Ordnungsgeldern belangt werden dürften.

Vereinzelte Kritik gab es auch an Gruppen, die der Gegendemonstration gestern fernblieben. Grimm sagte, er hätte sich gewünscht, dass beispielsweise die Junge Union da gewesen wäre. Wera Quoß (Die Linke) beschwerte sich über das Fehlen von Hennigsdorfer Gymnasiasten. Doch da wurde Quoß eines Besseren belehrt. Gegen 17.30 Uhr hatten sich rund 70 Schüler des Puschkin-Gymnasium am Postplatz versammelt. Sie zogen später weiter zum Neonazi-Szene-Laden „On the Streets“. (Von Sebastian Meyer)